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Die Frau in Weiß
(Teil 1-3)

Klassiker des
Fernsehkriminalspiels

Erstsendung (ARD):

16.05.1971 (Teil 1)
23.05.1971 (Teil 2)
30.05.1971 (Teil 3)

Dauer:

75/ 90/ 93 Minuten

Regie:

Wilhelm Semmelroth

Besetzung

Frau in Weiß / Laura

Heidelinde Weis

Marian Halcombe

Eva Christian

Walter Hartright

Christoph Bantzer

Sir Percival Glyde

Pinkas Braun

Conte Fosco

Eric Pohlmann

Contessa Fosco

Edith Lechtape

Sir Frederic Fairlie

Helmut Käutner

Rechtsanwalt Gilmore

Hans Hinrich

Rechtsanwalt Merriman

Alf Marholm

Pesca

Wolfgang Unterzaucher

Frau Clements

Tana Schanzara

Frau Catherick

Jenny Thelen

Lehrer Dempster

Erwin Scherchel

Schüler Tommy

Jürgen Schneider

Sergeant Blain

Theo Heinemann

Doktor Dawson

Arthur Jaschke

Doktor Goodrick

Willy Lindberg

Rechtsanwalt Wansborough

Jaromir Borek

Mann in Schwarz

Victor Beaumont

Küster

Frank Barufski

ferner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Victor Baring

Gustav Bockx

John Bouless

Dennis Castle

Ursula Dördelmann

Harald Dornseiff

Curt Faber

Arno Görke

Hartmut Hinrichs

Hans Kahlert

John Kesten

Rudolf Knaack

Fritz Ley

Günther Mokry

Malwine Müller-Barford

Gerd Plantikow

Reta Rena

Karl Dieter Rinn

Tamara von Rummell

Marja Tamara

Theo Tecklenburg

als Irrenarzt Dr. Masters
 

Wilhelm Semmelroth
(uncredited)

Aufnahmestab

Drehbuch

Herbert Asmodi

nach dem Roman von

Wilkie Collins

Ton

 

Richard Kettelhake

Karl Marnach

Bildtechnik

 

Rolf Schneider

Franz Josef Bruns

Filmschnitt

Wolfgang Richter

Bildschnitt

Eva Schmidt

Regieassistenz

 

Karsten Hoffmann

Hildegard Schlang

Aufnahmeleitung

 

Fred Ilgner

Siegfried Ibsch

Kamera

 

 

 

 

 

Dieter Naujeck

Otto Heinrich

Arkardij Ljutow

Karl Worm

Helmut Handschel

Gerhard Schroeder

Maske

Gerda Behrendt

 

Hans Joachim Schmalor

Kostüme

Brigitte Scholz

Musik

Hans Jönsson

Szenenbild

Paul Haferung

Produktionsleitung

Harry Schneider

Regie

Wilhelm Semmelroth

Eine Sendung des

WDR

Inhalt

Allgemeines
Zeichenlehrer Walter Hartright hat eines Nachts ein unheimliches Erlebnis: er begegnet einer mysteriösen Frau in Weiß, die aus einem Irrenhaus ausgebrochen ist. Er hilft der scheinbar verwirrten Frau und denkt darüber nicht mehr nach. Wenig später tritt er in Cumberland im Hause Fairlie eine Stelle als Zeichenlehrer an. Er ist geschockt, als er in einer seiner Schülerinnen, Laura, die Frau in Weiß wieder zu erkennen glaubt. In Wirklichkeit handelt es sich aber um zwei verschiedene Personen, die in seinem Leben noch eine entscheidende Rolle spielen sollen: Walter verliebt sich in Laura. Obwohl seine Liebe erwidert wird, heiratet diese Sir Percival Glyde, dem sie versprochen war. Dieser ist aber nur an Lauras Geld interessiert und schreckt auch vor Mord nicht zurück, um an dieses zu gelangen...
 
Erster Teil (75 Minuten) - Titel ORF: Eine unglückliche Liebe
Walter Hartright (Christoph Bantzer) soll auf einem alten Landschloss die Nichten von Sir Frederic Fairlie (Helmut Käutner) im Zeichnen unterrichten. Er verliebt sich bald in Laura (Heidelinde Weis), die jüngere der beiden Schülerinnen. Marian (Eva Christian), ihre Schwester, eröffnet ihm, dass Laura bereits mit Sir Percival Glyde (Pinkas Braun) verlobt ist. Sir Percival besteht auf der Hochzeit. Doch er hat eine Feindin: die Frau in Weiß, die Laura zum verwechseln ähnlich sieht und einer Irrenanstalt entflohen ist. Sie ist die einzige, die sein Geheimnis kennt ...
 
Zweiter Teil (90 Minuten) - Titel ORF: Der Teufelsplan
In einem anonymen Brief an Laura verrät die Frau in Weiß, dass es Sir Percival und seine Freunde Contessa und Conte Fosco (Edith Lechtape und Eric Pohlmann) nur auf ihr Geld abgesehen haben. Laura heiratet trotzdem. Fosco und Percival setzen alles daran, die "Frau in Weiß" aus dem Wege zu schaffen, um die einzige, die Percivals Geheimnis kennt, zu beseitigen. Dazu ist nur ein grimmiger Blick Sir Percivals nötig, der die bereits schwer kranke Frau in Weiß damit so erschreckt, dass sie an Herzversagen stirbt. Nun setzen Fosco und Percival ihren teuflischen Plan um: sie bringen Laura als Frau in Weiß ins Irrenhaus zurück und lassen sie für tot erklären...
 
Dritter Teil (93 Minuten) - Titel ORF: Geheimnisse
Als Walter Hartright zurückkehrt, findet er nur noch Lauras Grab. Bald findet er aber heraus, dass darin die "Frau in Weiß" liegt. Marian führt Walter zu Laura, der es in der Zwischenzeit gelungen ist, aus dem Irrenhaus zu entfliehen. Er setzt alles daran, Lauras Identität wieder herzustellen, doch das ist nicht so einfach. Nur Conte Fosco oder Sir Percival Glyde können dies tun, doch um sie dazu zu bewegen, muss Hartright hinter die Geheimnisse der beiden kommen...

Alle Texte: © GP, Die Krimihomepage
 

Kritik

Das ist spannende TV-Unterhaltung fernab von Technik und Stress. Die Spannung entwickelt sich so langsam wie die Kutschen fahren, aber die erstklassigen Schauspieler, die vorzügliche Inszenierung und die teilweise schaurig-viktorianischen Schauplätze und adäquaten Kostüme machen diesen Dreiteiler zu einem Film, den man immer wieder sehen muss. Eric Pohlmann als perfider Conte Fosco ist ein Kabinettstücken für sich, zuerst sympathisch, dann aber macht er eine Kehrtwende um 100%. Pinkas Braun als absoluter Teufel in Menschengestalt ist hervorragend und der hypochondrisch, leicht tuntig angehauchte Helmut Käutner als Onkel Fairley ist einfach herrlich. Grandios auch Heidelinde Weis in der Doppelrolle und Christoph Bantzer als verzweifelter Verliebter, der alles tut, um die Identität seiner Geliebten wieder herzustellen. Die tollen Englandaufnahmen tun das Übrige zu diesem von Wilhelm Semmelroth sehr ruhig aber brennend spannend inszenierten viktorianischen "Plüschkrimi". (GP)
 

Zusätzliche Informationen

• The Woman In White (Die Frau in Weiß), 1860 erschienen, gilt als der erste Kriminalroman der Literaturgeschichte überhaupt. Wilkie Collins schrieb die aus dem Gesichtspunkt mehrerer handelnder Personen erzählte Geschichte als Fortsetzungsroman für die Zeitschrift „All The Year Round“ deren Herausgeber sein Freund Charles Dickens war.
• Drehbuchautor Herbert Asmodi meinte zur schwierigen Arbeit, den Roman für das Fernsehen zu adaptieren: „Der Witz oder die Besonderheit des Romans bestehen darin, dass er sich gewissermaßen kaleidoskopartig aus den Berichten von Haupt- und Nebenfiguren aufbaut. Das war für den Bildschirm nicht zu machen, jedenfalls nicht in einem solchen Film und bei einer so komplizierten Handlung. Ferner war es erforderlich, die Sache für das heutige Publikum da und dort zu „enviktorianisieren“.“
• Zu ihrer Doppelrolle als Laura und Frau in Weiß sagte Heidelinde Weis: „Das war genau das richtige für eine Vollblutschauspielerin. Einmal bin ich Laura, eine normale junge Frau, zum anderen aber auch eine geheimnisvolle Dame, die in einem Asyl eingesperrt ist“. Und weiter: „Mal bin ich die kühle Adlige Laura, mal eine Verrückte. Und Verrückte zu spielen, das ist immer interessant!“
• Während der Dreharbeiten an der englischen Küste bei Bournemouth wohnte das rund 60-Personen-Filmteam in einem unheimlichen Bauernhof. Heidelinde Weis erinnerte sich damals: „Die düsteren Mauern, die raschelnden Kleider, der Nebel über den Wiesen, die schauerlich dunklen, stillen Nächte, das alles machte uns richtig Angst! So spielten wir unsere Rollen sehr glaubwürdig“.
• Regisseur Wilhelm Semmelroth, von seinen Kollegen „Semmel“ genannt, übernahm in diesem wie in fast allen weiteren seiner Filme eine kleine Nebenrolle, hier als Irrenarzt Dr. Masters (zu sehen kurz vor dem Vorspann zu Teil 1 und in Teil 2, als Lady Laura ins Sanatorium eingeliefert wird). Zum Vorwurf, ob er nicht nur Opas Fernsehen mache, äußerte er sich wie folgt: „Diesen Vorwurf kenne ich. Manche Bücher lassen sich einfach nur im klassischen Stil verfilmen. Ich sehe keinen Sinn darin, einen Roman zu vergewaltigen, um mit aller Gewalt modern zu wirken. Im Übrigen muss ein Kostümstück nicht verstaubt und antiquiert in Szene gesetzt werden“.
• Nach eigenen Angaben war Heidelinde Weis nicht die Erstbesetzung der Hauptrolle.
• „Die Frau in Weiß“ war der Auftakt zu einer zunächst auf drei, dann auf fünf Filme angelegten Krimiklassikerreihe des WDR, die schlussendlich insgesamt acht Filme, die alle von Herbert Asmodi geschrieben und von Wilhelm Semmelroth inszeniert wurden, umfasste. Nach einem Roman von Wilkie Collins entstanden 1973 „Der rote Schal“, 1974 „Der Monddiamant“ und 1980 „Lucilla“. „Lucilla“ sollte als 2. Film angegangen werden, wurde dann aber bis 1979 immer wieder verschoben.
• Wilhelm Semmelroth war selbst jahrzehntelang Hauptverantwortlicher für zig Hör- und Fernsehspiele des WDR, darunter betreute er auch die Straßenfeger „Zu viele Köche“, „Das Halstuch“, „Tim Frazer“, „Tim Frazer-Der Fall Salinger“ und „Die Schlüssel“.
• Wilhelm Semmelroths Lebensgefährtin schlug Eva Christian für die Rolle der Marian vor.
• Die Dreharbeiten dauerten ca. 3 Monate. Gedreht wurde in Cornwall.
• Die Filmszenen wurden auf 35mm-Film gebannt.
• Für das Genre, das Semmelroth mit "Die Frau in Weiß" gründete, wurde von der Presse die Bezeichnung "Plüschkrimis" erfunden.

Regisseur Wilhelm Semmelroth
Wilhelm Semmelroth (1914-1992) studierte in Bonn Germanistik, Kunstgeschichte und Französisch. Er musste sein Studium wegen der Nazis abbrechen, weil er nicht in die nationalsozialistische Studentenvereinigung eintreten wollte. So besuchte er eine Schauspielschule und wurde im Krieg von einem Intendanten verraten. Er arbeitete mit der französischen Resistance zusammen und wurde von den Engländern geholt, um bei der BBC die deutsche Abteilung zu leiten. Als nach dem zweiten Weltkrieg die Alliierten Deutsche suchten, die nicht durch eine nationalsozalistische Vergangenheit vorbelastet waren, um einen Rundfunk aufzubauen, schien Semmelroth der geeignete Mann dafür zu sein. Unter seiner Leitung entstanden nunmehr hunderte Hörspiele. Er war es auch, der Francis Durbridge zunächst als Hörspiel (Paul Temple) nach Deutschland brachte. Er kannte ihn von seiner Arbeit bei der BBC.
1960 wurde Semmelroth, von seinen Kollegen immer "Semmel" genannt, Chef der Fernsehspielabteilung des WDR. Nachdem er als Regisseur vor allem klassische Hörspielstoffe inszeniert hatte, arbeitete er bereits seit 1958 immer wieder als Regisseur. Als Produktionsverantwortlicher entstanden die Fernsehfilme "Am grünen Strand der Spree" und "Zu viele Köche" sowie die Francis-Durbridge-Klassiker "Das Halstuch" (1961), "Tim Frazer" (1962), "Tim Frazer-Der Fall Salinger" (1963) und "Die Schlüssel" (1964). Weitere interessante und hochspannende sowie exzellent besetzte Fernsehkrimis, die Semmelroth selbst inszenierte, waren unter anderem "Immer nur Mordgeschichten" (1968 mit Sieghardt Rupp), "Tod nach Mitternacht" (1970 mit Ellen Schwiers) und "Eine Tote soll ermordet werden" (1972 mit Siegfried Lowitz).
Leute, die mit ihm gearbeitet haben, beschreiben Semmelroth als leisen, unaufdringlichen Regisseur, der ein genaues Konzept hatte, genau Dialogregie führte und extrem behutsam arbeitete. Jeder, der einen Namen hatte, riss sich darum, mit ihm zu arbeiten. So kam es, dass seine Produktionen und Inszenierungen stets erstklassig besetzt waren. Viele machten wegen seiner Persönlichkeit mit. So lässt es sich erklären, dass seine Filme immer wieder mit den gleichen Schauspielern besetzt wurden: Ellen Schwiers, Wolfgang Unterzaucher, Wolfgang Büttner, Siegfried Lowitz, Eric Pohlmann usw. Auch Jutta Kammann, Semmelroths Lebensgefährtin, spielte regelmäßig in seinen Filmen mit.
Als der WDR Anfang der 1970er plante, eine neue große Mehrteilerserie zu starten, schlug Semmelroth, der sehr belesen war, vor, Wilkie Collins zu verfilmen. Als Drehbuchautoren holte er sich Herbert Asmodi, der im Deutschen einen Dialog beherrschte, der der Sprache von Collins sehr ähnlich war. Er verstand es auch, für jede Figur eine eigene Sprachfärbung zu entwerfen. Als Komponisten - auch hier zeigt sich Semmelroths Vorliebe, sich gerne mit gewohnten Menschen zu umgeben - wurde Hans Jönsson verpflichtet, der für ihn schon die Paul-Temple-Hörspiele vertont hatte, bei zwei Durbridge-Verfilmungen zum Einsatz kam, seine bisherigen Fernsehspiele und auch alle weiteren Kostümkrimis musikalisch untermalte.
Zu den so genannten Plüschkrimis zählen folgende Filme:
"Die Frau in Weiß" (1971 nach Wilkie Collins, 3 Teile)
"Der rote Schal" (1973 nach Wilkie Collins, 3 Teile)
"Der Monddiamant" (1974 nach Wilkie Collins, 2 Teile)
"Der Strick um den Hals" (1975 nach Émile Gaboriau, 3 Teile)
"Die Affäre Lerouge" (1976 nach Émile Gaboriau, 2 Teile)
"Onkel Silas" (1977 nach Sheridan LeFanu, 2 Teile)
"Lady Audleys Geheimnis" (1978 nach Mary Elizabeth Braddon, 2 Teile)
"Lucilla" (1979 nach Wilkie Collins, 2 Teile).

Bilder

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Die Krimihomepage 2000-2011 - Diese Seite wurde zuletzt am 24.07.2011 aktualisiert