Die Krimihomepage | Das deutschsprachige Fernsehkriminalspiel | 1963 | Tote reden nicht

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Tote reden nicht
(Teil 1 & Teil 2)

Erstsendung (DFF):
06.01.1963 (Teil 1), 08.01.1963 (Teil 2)

Regie:
Helmut Krätzig

Dauer:
87'43'' Minuten (Teil 1), 98'17'' Minuten (Teil 2)

Inhalt
Der erste von sechs Kriminalfilmen, in denen Kriminalassistent Weber von der Hamburger Kriminalpolizei in einem Mordfall ermittelt.

Teil 1: Wo ist Dr. Karl Elmers, der Verlagsleiter der Wochenzeitschrift "Blickpunkt"? Am 22. Mai 1962 hat seine Haushälterin die Vermisstenanzeige aufgegeben. Verschwunden ist der Mann allerdings seit dem 14. Mai, jenem Tag, an dem er nach Wien zu einem Kongress reisen wollte. Nur ist er dort nie angekommen. Die Kriminalpolizei in Form von Kommissar Graumann und seinem Assistenten Weber erhält ein anonymes Schreiben, in dem unter anderem darauf hingewiesen wird, dass Elmers ermordet worden sei. Alle Spuren führen zu dem Journalisten Jürgen Brandt, der der Polizei gegenüber nicht wohl gesonnen ist. Mehrfach hatte er die Ermittlungsmethoden in einem Indizienprozess, bei dem es um den Mordfall Becker gegangen ist, kritisiert. Er stellte die Frage, ob da womöglich ein Unschuldiger hinter Gitter geraten war. Nun steht er selbst im Mittelpunkt des polizeilichen Interesses und unter Verdacht, denn alles deutet darauf hin, dass der bei seinen Kollegen nicht sehr beliebte Reporter mit dem Verschwinden seines zukünftigen Schwiegervaters Dr. Elmers zu tun hat. Elmers hatte nämlich unterbunden, dass Brandts Artikelserie "Tote reden nicht" weiter erscheint. Darin klagte der Journalist das bundesdeutsche Arzneimittelgesetz und einen großen Pharmakonzern an, der mit dem Schlafmittel Dorsan über fünftausend missgebildete und behinderte Kinder verursacht haben soll. Webers und Graumanns Ermittlungen fügen sich am Ende zu einem klaren Bild: Brandt hat Elmers ermordet! Doch da scheint der Verschwundene wieder aufzutauchen ... (Text © Krimihomepage - GP, Juni 2012)

Teil 2: Bei einer Pressekonferenz hat Jürgen Brandt erklärt, dass er gemeinsam mit Dr. Elmers dessen Verschwinden inszeniert und den Mordverdacht absichtlich auf sich gelenkt habe, um die Fragwürdigkeit eines Indizienprozesses aufzuwerfen. Doch gerade, als er die Journalisten darüber in Kenntnis gesetzt und Dr. Elmers' baldiges Eintreffen angekündigt hat, taucht Kommissar Graumann auf und nimmt Brandt fest. In der Zwischenzeit hat man nämlich Dr. Elmers' Leiche gefunden. Auch das Tatwerkzeug war dabei: ein Hammer. Darauf befinden sich die Fingerabdrücke einer einzigen Person: jene Jürgen Brandts. Als Anwalt Dr. Ziebell seine Verteidigung ablehnt, behauptet Brandt, Zíebell sei Mitwisser des fingierten Mordes gewesen. Der Jurist bestreitet dies. Unterdessen stellt Kriminalassistent Weber auf eigene Faust Nachforschungen an. Gemeinsam mit Lisa Elmers, der Tochter des Ermordeten, sucht er dessen Landhaus auf und macht dort interessante Entdeckungen, die die Unschuld Jürgen Brandts untermauern. Schließlich wird klar: irgendjemand hat von dem Plan Brandts und Elmers' erfahren und diesen genutzt, um den ungeliebten Journalisten Brandt auszuschalten. Weber wird zwar von den Ermittlungen im Mordfall abgezogen, bleibt aber dennoch auf der richtigen Spur, die auch zur Klärung des Mordes an Dr. Becker führt und ihn in eine lebensgefährliche Situation bringt ..
(Text © Krimihomepage - GP, Juni 2012)
Kritik

Werner Toelcke konstruiert einen nicht unspannenden Kriminalfall, der in zwei Teile zerfällt und recht mitreißend ist. Die Geschichte ist interessant, der Autor mixt Anklagen gegen das bundesdeutsche Arzneimittelgesetz, die schrecklichen Folgen von Nebenwirkungen eines gefährlichen Medikaments und die schaurige NS-Vergangenheit mancher Mediziner zu einer gelungenen Hintergrundstory für die Kriminalhandlung zusammen. Die schauspielerischen Leistungen sind in Ordnung, die manchmal durchdringende Kritik am Klassenfeind etwas störend. Ungewohnt wirkt auch, dass die auf westdeutsche Polizeiwägen getrimmten Autos aus dem Hause Wartburg stammen. Die zwei unter "zusätzliche Informationen" angeführten Regiefehler wären jedoch zu vermeiden gewesen. (Kritik: GP)

Zusätzliche Infos & Hintergrundinfos

Der Film wurde später auf DFF 2 am 25. und am 26.05.1970 wiederholt, nochmals am 04. und am 06.10.1978.

„Tote reden nicht“ bildete den Auftakt zu einer Serie von TV-Mehrteilern und Filmen, in denen der Hamburger Kriminalassistent (später Privatdetektiv) Weber ermittelt.
In der damaligen DDR war es gar nicht so einfach, einen Kriminalfilm zu produzieren, da es im Sozialismus offiziell keine Verbrechen gab. Ohne diese war aber auch im ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaat kein Krimi zu machen. In den ersten Jahren des DDR-Fernsehens, vornehmlich in der Reihe „Blaulicht“ wurde das Medium fiktionales Fernsehspiel deshalb dazu genutzt, um Verbrechen aufzuzeigen, die ihren Ursprung im nichtsozialistischen Ausland – vornehmlich in der BRD – hatten und bei denen auch Kapitalisten als Täter überführt wurden. Später wurde der Begriff des „sozialistischen Kriminalfilms“ geprägt, bei dem die Figurengestaltung auf „Grundlage des sozialistischen Menschenbildes“ erfolgte, wie es der Dramaturg Eberhard Görner einmal formulierte. Solange der Film in der DDR spielte, hatte es ein Polizeifilm zu sein, bei dem die zentralen Figuren Polizisten sind, die natürlich im Kollektiv arbeiten. Der unsichtbare erhobene Zeigefinger und die belehrende Wirkung war überall präsent. Private Ermittlungen kamen nicht in Frage. Um das zu umgehen, verlagerte man die Handlung bei vielen Filmen ins Ausland. So spielt auch „Tote reden nicht“ in der Bundesrepublik und hat selbstverständlich starken systemkritischen Charakter. Anders als etwa die zeitgleich in der BRD produzierten sehr erfolgreichen Mehrteiler nach Francis Durbridges Drehbüchern waren Werner Toelckes Krimis immer Filme, die Missstände im kapitalistischen Ausland aufzeigten. So ist die Geschichte rund um die durch ein Schlafmittel ausgelösten Missbildungen bei Schwangerschaften zweifellos am damaligen Contergan-Skandal in der BRD inspiriert. In dem Dreiteiler „Botschafter morden nicht“ ging es unter anderem um ein Chemiewerk in Portugal, das hochgiftige Pestizide in einem Chemiewerk herstellte, das von der bundesdeutschen Regierung mitfinanziert wurde.

Johannes Arpe, der den Kommissar spielte, starb während der Dreharbeiten. Den Film neu zu drehen, war zu teuer, weshalb Autor Toelcke die Figur des Kommissar Schoppenhauer einbaute, der die Rolle des Kommissars ersetzte.
Produktionsleiter Adolf Fischer übernahm eine Cameorolle als Fahrer eines Polizeiwagens.

Auch wenn die Handlungsschauplätze in beiden Krimis außerhalb der DDR lagen, produziert wurden sie selbstverständlich im sozialistischen Inland, genauer gesagt im DEFA Studio Babelsberg. Die Umgebung rund um Berlin musste für Hamburg herhalten, was in manchen Szenen eindeutig ist. Vor allem die DDR-Autobahnen und Pflastersteinstraßen verrieten, dass man hier nicht in der BRD gedreht hatte. Außerdem hatte man Wartburgs auf bundesdeutsche Polizeiwägen getrimmt, was etwas seltsam anmutete. Der Film „Botschafter morden nicht“ spielte schließlich in Portugal, gedreht wurde aber auch hier im sozialistischen Ausland, nämlich in Bulgarien, das für das Land auf der iberischen Halbinsel herhalten musste. Deshalb spielten auch zwei bekannte bulgarische Schauspieler, Newena Kokanowa und Ljubomir Kisselitschki mit.

Der deutsche Schauspieler und Schriftsteller Werner Toelcke (1930 geboren) machte sich als Autor (mehrteiliger) Fernsehkrimis in der DDR einen Namen. Er gab mit „Tote reden nicht“ sein Debüt im DDR-Fernsehen und war fortan Mitglied des Schauspielerensembles des DFF. Zu dem Drehbuch, das er selbst zu diesem Film geschrieben hatte, gehörte auch ein gleichnamiger Roman, der 1964 im Verlag Das Neue Berlin erschien. Der darin auftretende Ermittler Weber war auch in den meisten anderen seiner TV-Filme der Protagonist. Als Autor veröffentlichte Toelcke an die 10 Romane. 1984 siedelte der vielseitige Künstler in die BRD über.
Folgende Filme, in denen Kriminalassistent, später Privatdetektiv Weber großteils Protagonist ist, gehen auf sein Konto:

  • "Tote reden nicht"
    (1962, 2 Teile, Erstsendung: 06.01.1963 und 08.01.1963 DFF)

  • "Doppelt oder nichts"
    (1964, 2 Teile, Erstsendung: 29.11.1964 und 01.12.1964 DFF)

  • "Er ging allein"
    (1966, 2 Teile, Erstsendung: 18.02.1967 und 19.02.1967 DFF)

  • "Tod im Preis inbegriffen"
    (1967, 2 Teile, Erstsendung: 12.01.1968 und 14.01.1968 DFF)

  • "Botschafter morden nicht"
    (1969, 3 Teile, Erstsendung: 13.02.1970-15.02.1970 DFF)

  • "Ein Mann, der sterben muss"
    (1971, 1 Teil, Erstsendung: 13.02.1972)

Zudem der Fernsehfilm "Rückkehr als Toter" (1973, Erstsendung: 10.03.1974 DFF).

Der Regisseur von „Tote reden nicht“ war Helmut Krätzig. Der 1941 in Augsburg geborene Filmemacher war einer der bekanntesten und erfolgreichsten Regisseure der DDR und konnte sich vor allem durch seine Beiträge zur beliebten TV-Reihe „Polizeiruf 110“ einen Namen machen, für die er unter anderem den 1., 50. und 150. Fall inszenierte. Insgesamt gingen 20 Episoden der Serie auf sein Konto, darunter auch das berühmte Crossover mit dem „Tatort“ („Unter Brüdern“) mit Peter Borgelt und Götz George. Im Krimifach drehte er außerdem Beiträge für „Blaulicht“, „Kriminalfälle ohne Beispiel“ oder „Geheime Spuren“. Bei seiner ansonsten tadellosen Inszenierung in „Tote reden nicht“ sind ihm allerdings zwei Regiefehler unterlaufen: es ist die ganze Zeit davon die Rede, dass es in der Nacht, in der Elmers verschwand, fürchterlich stark geregnet habe. In der Rückblende am Ende des ersten Teils (die am Beginn des zweiten wiederholt wird und somit die ersten neun Minuten einnimmt), regnet es jedoch nicht. Im zweiten Teil wird Kriminalassistent Weber gefesselt, ihm werden Mullbinden in den Mund gestopft, damit er nicht schreien kann, der Mund wird zusätzlich mit einem Heftpflaster verklebt. Als er sich später selbst befreien kann, reißt er sich das Heftpflaster herunter, hat aber nichts mehr im Mund.
Auch nach der Wende blieb Krätzig dem Krimigenre treu, inszenierte für „Ein Fall für zwei“ und „Einsatz für Lohbeck“ und zuletzt 2002 6 Folgen für „Die Strandclique“.

Stab

 

Besetzung Aufnahmestab
Jürgen Brandt Horst Schulze
Lisa Elmers Annekathrin Bürger
Kommissar Graumann Johannes Arpe
Kriminalassistent Weber Werner Toelcke
Kommissar Schoppenhauer Hans-Joachim Hanisch
Wilhelmi Gerd Biewer
Eberle Rudolf Ulrich
Anika Kroll Erika Fürstenau
Dr. Ziebell Ralph J. Boettner
Untersuchungsrichter Max Bernhardt
Rita Gisela Bestehorn
Mann im Trenchcoat Horst Kube
und (TEIL 1) Sonja Hörnbing
Agnes Kraus
Marga Legal
Vera Oelschlegel
Hans Ulrich-Lauffer
Ernst Kahler
Heinz Kögel
Christoph Engel
Karl-Heinz Weiss
u. a.
und (TEIL 2) Sonja Hörnbing
Ruth Kommerell
Ulrich Folkmar
Wilhelm Gröhl
u. a.
Szenarium Werner Toelcke
Dramaturgie und Mitarbeit Dr. Günter Kaltofen
Drehbuch Werner Toelcke
Helmut Krätzig
Kostüme Dorit Gründel
Masken Erich Haase
Margot Fürstenberg
Ingeborg Merten
Ton May Sandler
Regieassistenz Annemarie Siemank
Kameraassistenz Eckhardt Hartkopf
Klaus Goldmann
Aufnahmeleitung Dieter Krüger
Egon Schlarmann
Kamera Lothar Gerber
Szenenbild Werner Zieschang
Schnitt Ursula Rudzki
Musik Wolfgang Pietsch
Produktionsleitung Adolf Fischer
Regie Helmut Krätzig
hergestellt im DEFA Studio für Spielfilme
Gruppe Solidarität
eine Produktion des Deutschen Fernsehfunks

Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am: 17.07.2012

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